25.10.2024
Alle reden von der Energiewende, also der Umstellung auf eine nachhaltigere und effizientere Energieproduktion. Denn um die Erderwärmung zu stoppen, müssen wir Treibhausgasemissionen reduzieren. Im vierten Teil unserer Kolumne „Besserwissen – Energie verstehen“ gehen wir der Frage nach, wie der Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien in Deutschland vorankommt. Klar ist, dass die Energiewende ein langfristiges Projekt ist. Aber wo stehen wir hier? Was hat welchen Effekt? Und wie viel Energie benötigen wir in Zukunft?
Deutschland braucht die Energiewende, damit künftig eine saubere und sichere Energieversorgung garantiert ist. Sauber, um den Klimawandel zu stoppen und die endlichen Ressourcen nicht weiter auszubeuten. Und sicher, um Abhängigkeiten durch Energieimporte zu verringern. Deshalb werden fossile Energieträger wie Öl, Kohle oder Gas durch erneuerbare Quellen wie Wind, Sonne und Biomasse ersetzt. Dafür braucht es einerseits einen möglichst schnellen Ausbau dieser erneuerbaren Energiequellen und andererseits eine Steigerung der Energieeffizienz in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen.
Das politische Ziel lautet: Bis 2030 sollen mindestens 80 % des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Und die Stromgewinnung aus Erneuerbaren ist ein ganz wesentlicher Beitrag zur Klimaneutralität bis 2045.
CO₂ ist nur eines von mehreren Treibhausgasen. Zur besseren Vergleichbarkeit und Gesamtdarstellung rechnet man deshalb andere Treibhausgasmengen in sogenannte CO₂-Äquivalente um. Im Jahr 2023 fielen Deutschlands Treibhausgasemissionen tatsächlich auf 673 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Das ist der tiefste Stand seit 70 Jahren. Dass 2023 nochmals weniger Treibhausgase ausgestoßen wurden als 2022, hat sehr unterschiedliche Gründe: Zum einen sank der Anteil an Kohlestrom auf das niedrigste Niveau seit den 1960er Jahren. Dadurch konnten 44 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Zum anderen gingen die Emissionen aus der Industrie deutlich zurück. Das lag allerdings nicht an erfolgreichen Maßnahmen zur Transformation, sondern daran, dass die Produktion um 11 % einbrach. Dahinter stecken Krisen in energieintensiven Industrieunternehmen. Vor allem im Bau herrschte Konjunkturflaute, sodass die Nachfrage nach Zement und Stahl sank.
Nur rund 15 % der im Jahr 2023 erzielten CO₂-Einsparungen sind tatsächlich auf Maßnahmen wie den Ausbau erneuerbarer Energien, Effizienzsteigerungen oder den Umstieg auf CO₂-ärmere beziehungsweise klimafreundliche Brennstoffe zurückzuführen. Der Verkehrssektor verfehlte die gesetzlichen Klimaziele um 12 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, der Gebäudesektor um 8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verabschiedet, das wir Dir in einem anderen Teil dieser Kolumne schon vorgestellt haben. Es soll den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen einleiten.
Erneuerbare Energien, also Energie aus Windenergie, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse, sollen eine immer größere Rolle in der Energieversorgung Deutschlands spielen. Denn anders als fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas sind sie klimafreundlich und können wirklich helfen, CO₂ einzusparen. Im ersten Halbjahr 2022 betrug der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung noch 46,1 %. Bereits 2023 gelang es, erstmals über 50 % des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken. Diese Entwicklung setzte sich fort, sodass im ersten Halbjahr 2024 bereits 57 % des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammten.
Den größten Beitrag zu dieser Entwicklung leisten Windkraftanlagen. Rund ein Drittel der gesamten Stromproduktion stammte im ersten Halbjahr 2024 aus Windkraft. Bei 14 % der Gesamtstrommenge liegt der Anteil der Solarenergie. Und hier ist auch ein besonders schneller Ausbau zu verzeichnen.
Gleichzeitig ging die Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern wie Kohle und Erdgas um ein gutes Viertel zurück. Und so soll es auch weitergehen, damit bis 2030 erneuerbare Energien mindestens 80 % des Stromverbrauchs decken können.
Bis hierher klingt das alles prima. Aber stehen wir wirklich so gut da? Und geht es überhaupt nur um den Stromverbrauch? Leider nein. Denn da gibt es noch den sogenannten Primärenergieverbrauch. Als Primärenergie bezeichnet man sämtliche Energieträger in ihrer ursprünglichen Form, bevor sie in nutzbare Energieformen umgewandelt wird. Schließlich verbrauchen wir nicht nur Strom. Wir verbrennen auch Erdöl und Erdgas in Form von Treibstoffen oder nutzen sie zum Heizen. Kohle, Gas und Öl werden in der Industrie verwendet, um mit hohen Temperaturen Zement oder Stahl herzustellen. Bislang aber decken erneuerbare Energien am gesamten Primärenergiebedarf nur 19,6 %. Aber auch beim Gas werden Schritte in Richtung Klimaneutralität unternommen. Biogas, Wasserstoff und synthetisches Gas könnten in manchen Bereichen unverzichtbar werden.
Nach der schlechten Nachricht haben wir aber wieder eine gute für Dich: Der Primärenergiebedarf sinkt seit Jahren stetig. Und das ist auch der wesentliche Grund für den kontinuierlichen Rückgang der Treibhausgase, über den wir soeben gesprochen haben. Betrug der Primärenergiebedarf 1990 noch 14.905 Petajoule, waren es 2023 nur noch 10.735, wobei ein Petajoule etwa 277.778 Megawattstunden (MWh) entsprechen.
Bestimmt fragst Du Dich, wie es zu dem Rückgang kommt. Denn sparsamer sind wir alle ehrlicherweise nicht geworden. Die Antwort lautet: Der rückläufige Trend geht auf Energieeffizienzsteigerungen zurück, die natürlich auch ein notwendiger Teil der Energiewende sind.
Der Ausbau von Solar- und Windenergie in Deutschland hat in den letzten Jahren erheblich an Fahrt gewonnen. Und das ist auch nötig, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Schauen wir uns an, was im Detail passiert.
Im Jahr 2023 erreichte der Ausbau der Solarkraft in Deutschland Höchstwerte. Mit einem Zuwachs von 14,1 Gigawatt an neuer Leistung wurde fast doppelt so viel Kapazität installiert wie im Vorjahr, und die Ziele der Bundesregierung wurden übertroffen. Was führte zu diesem Anstieg? Zum einen eine große Zahl privater Anlagen, zum anderen verstärkte Investitionen in Solaranlagen auf gewerblichen Dächern und Freiflächen. Zum Jahresende 2023 betrug die installierte Gesamtleistung in Deutschland 81,7 Gigawatt. Zum Vergleich: Mit 1 Gigawatt kann man 700.000 durchschnittliche Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.
Ein besonders bemerkenswertes Phänomen ist der Boom der sogenannten Balkonkraftwerke, also steckerfertiger Solaranlagen, die sich leicht an Balkonen oder Fassaden anbringen lassen. Die Bundesnetzagentur registrierte 2023 etwa 260.000 solcher Anlagen im Marktstammdatenregister. Das sind dreimal so viele wie im Vorjahr. Obwohl diese Anlagen nur etwa 1,5 % des gesamten Solarzubaus ausmachten, tragen sie dennoch zur dezentralen Energieversorgung bei und erhöhen das Bewusstsein für erneuerbare Energien. Auch bei Yippie-Kund:innen sind die kleinen PV-Module sehr beliebt, weswegen Du sie übrigens auch in unserem Shop findest.
Durch die Integration dieser Technologien in Dein Zuhause kannst Du folglich nicht nur Energie sparen, sondern auch einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Während der Ausbau der Solarenergie rasant voranschreitet, ist das Bild bei der Windkraft gemischter. Schleswig-Holstein führt hier beim Ausbau. Insgesamt wurden aber im Jahr 2023 lediglich 2,9 Gigawatt an neuer Leistung bei Windkraftanlagen an Land hinzugefügt. Mit diesem Ausbautempo ist das Ziel von rund 115 Gigawatt installierter Leistung bis 2030 nicht zu erreichen.
Dennoch gab es im ersten Halbjahr 2024 positive Entwicklungen. Die Genehmigungen für Windkraftanlagen nahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 70 % zu. Es bleibt jedoch die Herausforderung, diese Genehmigungen zügig in tatsächlich installierte Kapazitäten umzusetzen.
Fassen wir zusammen: Der CO₂-Ausstoß sinkt, aber der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergiebedarf lässt zu wünschen übrig. Der Ausbau geht zudem je nach Energiequelle unterschiedlich gut voran. Und zu allem Überfluss steigt auch noch der Strombedarf in Deutschland und weltweit. Einige Fachleute rechnen damit, dass im Jahr 2045 rund 1.300 Terawattstunden benötigt werden. Heute sind es etwa 500 Terawattstunden. Warum ist das so? Das schauen wir uns jetzt an.
Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für den stetig steigenden Stromverbrauch, zum Beispiel:
Der Umstieg von Verbrennungsmotoren auf Elektrofahrzeuge ist ein wesentlicher Treiber des steigenden Strombedarfs. Elektroautos, E-Bikes und andere elektrische Transportmittel benötigen eine erhebliche Menge an Energie in Form von Strom.
Elektrische Heizsysteme wie Wärmepumpen sind effizienter und umweltfreundlicher, führen jedoch zu einem höheren Stromverbrauch im Winter, wenn der Heizbedarf am größten ist.
Auch die Informations- und Kommunikationstechnik braucht viel Strom. Sie ist schon jetzt für etwa genauso viele Treibhausgasemissionen verantwortlich wie der weltweite Flugverkehr. Dazu zählen Dinge wie Cloud-Dienste, vernetzte „smarte“ Geräte oder 5G-Netzwerke. Nicht zu unterschätzen ist auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Big Data. KI statt Google zu fragen, könnte 30-mal mehr Strom verbrauchen, schätzen manche Expert:innen.
Wir müssen also der Tatsache ins Auge sehen, dass wir in Zukunft deutlich mehr Strom brauchen werden als heute. Zugleich sind Wind- und Solarenergie nicht konstant verfügbar, da sie von Wetterbedingungen abhängen. Das führt zu Schwankungen in der Energieeinspeisung ins Stromnetz. An windigen oder sonnigen Tagen kann es zu einer Überproduktion kommen, während bei Flaute oder Bewölkung die Einspeisung stark sinkt. Eine Über- oder Unterversorgung kann aber zu Netzinstabilitäten führen, die im schlimmsten Fall Stromausfälle verursachen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entwickelt sich der moderne Strommarkt zum Glück in verschiedenen Bereichen weiter:
Uns hat noch interessiert, wie eigentlich die Konsument:innen zu Ökostrom stehen. Halten sie so lange wie möglich an konventionellen Stromangeboten fest? Oder gehen sie mit Ökostrom voran?
Im Jahr 2022 ist die allgemeine Akzeptanz von erneuerbaren Energien sehr deutlich gestiegen. 2022 – war da nicht etwas? Ja, es war das Energiekrisenjahr. Wir erinnern uns: Deutschland verabschiedete sich von russischem Gas und Energiesparen war angesagt. Die Situation schärfte das Bewusstsein dafür, dass Energie aus regenerativen Quellen aus Deutschland nicht nur nachhaltiger, sondern auch sicherer ist. 69,2 % der Check24-Abschlüsse waren in diesem Jahr Entscheidungen für einen Ökostrom-Tarif. Bei Verivox waren es 77 %.
Ein vergleichbar hohes Interesse an Ökostrom wurde zuletzt nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 beobachtet. Damals entschieden sich 76 % der Verbraucher:innen für umweltfreundlichen Strom.
Mit der Senkung der klimaschädlichen Emissionen geht es zwar voran. Doch leider scheinen die politischen Maßnahmen nur in geringem Maße dafür verantwortlich zu sein. Der Bundesrechnungshof kommt in einem Bericht vom 7. März 2024 zum Schluss, dass die Bundesregierung nicht auf Kurs sei. Sie hinke ihren Zielen beim Ausbau der erneuerbaren Energien hinterher. Ein Grund mehr, finden wir, dass sich jede:r fragen sollte: Was kann ich eigentlich selbst noch tun? Denn mit einem Umstieg auf nachhaltigere Strom- und Gas-Tarife, Energiesparmaßnahmen im eigenen Haushalt und bewussterem Konsum ist es schließlich für alle möglich, einen Beitrag zu leisten.
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Dossier/strommarkt-der-zukunft.html
https://www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2023/2023-35_DE_JAW23/A-EW_317_JAW23_WEB.pdf
https://www.wiwo.de/technologie/tracking-der-energiewende/
https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2024/energiewende-volltext.pdf?__blob=publicationFile&v=4
https://www.ndr.de/nachrichten/ndrdata/Wie-laeuft-der-Ausbau-von-Solar-Windkraft-Batteriespeicher-Erneuerbare-Energien-in-Deutschland,erneuerbare104.html
https://www.verivox.de/strom/verbraucheratlas/oekostrom-deutschland/
https://www.nzz.ch/technologie/chat-gpt-vs-googeln-der-massive-stromverbrauch-der-ki-ist-ein-problem-ld.1774379
In unserer neuen Blog-Kolumne „Besserwissen – Energie verstehen“ tauchen unsere Autor:innen tiefer in ein bestimmtes Thema ein, damit Du den Durchblick hast.
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